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Nachhaltiges Bauen mit Naturwerksteinen

Der Deutsche Naturwerkstein-Verband e.V. (DNV) hat in Zusammenarbeit mit Fair Stone e.V. zu einem Pressegespräch über die Nachhaltigkeit von Naturwerkstein eingeladen. Das Pressegespräch gab hierzu einen Überblick aus der Sicht von verschiedenen Akteuren.

Herr Univ.-Prof. Benedikt Schulz, Architekt BDA, referierte in seinem Vortrag über die besondere Bedeutung der Dauerhaftigkeit bei Kirchlichen Bauten, anhand der Propsteikirche St. Trinitatis in Leipzig. Dieses Projekt stand ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit und Dauerhaftigkeit.

Prof. Schulz berichtete, dass schon während der Auswahlverfahren der Architekten eine Materialentscheidung getroffen wurde. Es sollte ein heimischer Stein werden, und die Entscheidung fiel auf einen Stein aus dem ca. 60 km entfernten Rochlitz (Rochlitzer Porphyr), aufgrund seine besonderen Eigenschaften (z.B. leichte Verarbeitung sowie ausreichend Frostbeständig) und der Nähe des Abbaugebietes. Die Optik spielte für die Verarbeitung des Rochlitzer Porphyr auch eine wesentliche Rolle, da das Objekt über große geschlossene Flächen verfügt und der Naturstein aufgrund von Vor- und Rücksprüngen eine lebendige Fassadengestaltung ermöglichte.

Um eine Nutzungsdauer von 150 Jahren problemlos zu gewährleisten, wurden die Natursteine als Verblendschale vor der Wärmedämmung gemauert. Für den Sockel wurde ein Granit von Beuchaer Granitporphyr eingesetzt. Auch bei dem Granit wurde auf heimisches Material gesetzt um somit die Ökobilanz durch kurze Transportwege niedrig zu halten.

Nicht nur die Langlebigkeit, sondern auch die geringen Instandhaltungskosten zeichnen den Rochlitzer Porphyr aus. Die Nutzungsdauer von Naturwerkstein wird von Experten allgemein mit 60 bis 200 Jahre angegeben. Ein weiter Gesichtspunkt für Nachhaltiges Bauen war der Energieverbrauch. Die Kirche wurde so gebaut, dass eine energetische Autarkie bei angepassten Nutzungsverhalten umsetzbar ist.

Nach Beendigung des Vortrags wurde die Frage gestellt, inwiefern die Baukosten aufgrund der Natursteinfassade gestiegen sind. Prof. Schulz erläuterte, dass diese Fassade im Beispielfall genau so teuer wie ein hochwertiger Ziegel ist. Daher gab es für sie bei der Konzeption keine Alternative zum Naturstein.

Herr Reiner Krug, DNV-Geschäftsführer, berichtet in seinem Vortrag über das steigende öffentliche Interesse an der Thematik „Nachhaltigen Bauen“. Er führte sehr anschaulich durch die wichtigsten ökologischen Aspekte einer nachhaltigen Bauweise:

  • Senkung des Energiebedarfs und des Verbrauchs an Betriebsmittel
  • Vermeidung von Transporten von Baustoffen
  • Einsatz wieder verwendbarer/verwertbarer Bauprodukte
  • Verlängerung der Lebensdauer von Bauprodukten und Baukonstruktionen
  • Gefahrlose Rückführung der Baustoffe in den natürlichen Stoffkreislauf
  • Soziale Verantwortung der Naturwerksteinbranche

Herr James Herrmann, Fair Stone e.V., sprach über die Arbeit des Fair Stone e.V. und die Zertifizierung von Naturstein-Lieferketten. Eine Evaluation der Standards WiN=WiN Fair Stone und Xertifix hat stattgefunden. Beide erfüllen die Mindestkriterien im Bereich Glaubwürdigkeit & Soziales, und erhalten somit eine Empfehlung.

Des Weiteren gab Herr Herrmann einen Ausblick auf die Gesetzesvorhaben der Landesregierungen in Bayern, BaWü und NRW zur Novellierung des Bestattungsgesetzes. Das Verfahren in NRW sieht die Einrichtung einer staatlichen Akkreditierungsstelle zur Anerkennung von Standards zum Bezug von kinderarbeitsfreien Grabsteinen vor.

Als letzten Themenpunkt wurde von Herrn Herrmann der DGNB-Standard für Nachhaltiges Bauen vorgestellt. In der neuen Version 17 des Standards wird ebenso ENV 1.3 ausgearbeitet, das Kriterium für Nachhaltige Rohstoffe. Dies soll von den Produkten Holz und Natursteine auf weitere ergänzt werden.

Herr Walter Riester, Bundesarbeitsminister a.D. und Ehrenmitglied des Fair Stone e.V., begann seinen Vortrag über die Aufgaben der Politik. Insbesondere eine Herausforderung der Politik sei es, nationale Normen und Regeln in einem internationalen Kontext einzuordnen.  Herr Riester berichtete des Weiteren über seine Beteiligung an den ersten Entwürfen der EU-Vergabeordnung, die seit 2014 veröffentlicht wurde und 2016 in deutsches Recht übernommen wurde.

Er bekräftigte die Forderung von Herrn Krug und von Teilnehmern der Runde, dass der Gesetzgeber und die Politik sich für eine staatliche Akkreditierung von Gütezeichen einsetzen müssen. Dies steigert die Verbrauchersicherheit und bildet die Grundlage für rechtskräftige Novellierung im Sinne der Bevölkerung. Eine Forderung von Siegeln für Grabsteine aus nicht EU-Ländern sei daran gescheitert, obwohl die Mehrheit der Bevölkerung dies wünscht.

Er warnte jedoch auch davor, die Erwartungen an Entwicklungsländer nicht zu hoch zu setzen. Insbesondere am Beispiel der Volksrepublik China lässt sich erkennen, wie wichtig der Prozessgedanke bei der Bewertung einer positiven Globalisierung sei. In China hat sich in den letzten 20 bis 30 Jahren immens viel getan. Auch in Industrieländern sah in den 80er Jahren noch anders aus was Arbeitsschutz und Sicherheit am Arbeitsplatz angeht.

Anlässlich der derzeitigen politischen Entwicklungen warnte er vor einer zunehmenden Renationalisierung. Dadurch werden kurzfristig Symptome bekämpft, aber nicht Ursachen behoben oder für die Zukunft positiv beeinflusst.

Auf die Kurzvorträge folgte eine offene, lebhafte Diskussionsrunde der Teilnehmer.

Quelle: www.natursteinverband.de