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Historische Handwerke: Brückenschlag in die Zukunft

HGH-Kolumne aus dem Marktblatt: Valentin Schober, Beirat der Handwerker im HGH

In Holzgerlingen ist historischer Handwerkermarkt. Das ist natürlich schön und hübsch anzuschauen, bunt und sicher hier und da farbenprächtig. Aber vor allem wird in den alten Handwerken viel Wissen festgehalten und weitergegeben, von dem wir auch heute noch profitieren können.

Viele Techniken und Kunstfertigkeiten werden gezeigt, die unsere Großeltern noch wie selbstverständlich gekannt und beherrscht haben. Auch der Beruf des Steinmetzes, den ich selbst ausübe, ist sehr alt, und auf diesem alten Wissen baut auch noch der Steinmetz der Gegenwart auf.

Vor allem bei Restaurierungen sind die Kenntnisse über alte Bearbeitungstechniken von entscheidender Bedeutung. Wenn man bei alten, historischen Baudenkmälern schadhafte Steine ersetzt, dann muss die Endbearbeitung, das so genannte „Finish“, genauso sein, wie bei den Steinen in der Umgebung.

Leider gibt es nur noch wenige Steinmetze, die diese Techniken vermitteln können, da dieses Wissen langsam aber sicher ausstirbt. In der „heutigen” Zeit ist es wichtig, schnell und gewinnbringend zu produzieren, dableibt die berühmte „Handarbeit” oft auf der Strecke. Steinmetze werden heutzutage dazu ausgebildet mit Pressluft und mit Handmaschinen sowie mit Sägen zu arbeiten. Leider wird in der Ausbildung kein Schwerpunkt mehr auf das Arbeiten mit den alten Werkzeugen gelegt.

Ich habe in meiner Lehrzeit noch gelernt, wie man mit einem Zweispitz, Spitzer oder mit einem Krönel arbeitet. Diese martialischen Werkzeuge werde ich auf dem historischen Handwerkermarkt auf dem alten Friedhof vorführen.

Dabei ist es ja gerade nicht der Bruch zwischen traditioneller Arbeitsweise und modernem Gerät, sondern die Fortführung des alten Wissens auch mit anderen Werkzeugen, die den Beruf so vielfältg macht. Gerade der vermeintliche Widerspruch zwischen der traditionellen Arbeitsweise und der Einsatz von neuesten, modernsten Technologien macht diesen Beruf so spannend.

Bei der Oberflächenbehandlung kommt zum Beispiel modernste Nanotechnologie zum Einsatz. Auch im Bereich der Konservierung arbeitet der Steinmetz heutzutage mit Hightech- Produkten, entweder auf Kieselsäureester-, oder auf Acrylbasis. Laser-, bzw. computergesteuerte Sägen oder Kopiermaschinen sind sicher eine sehr große Hilfe – aber sie können den Handwerker und sein technisches Knowhow nicht ersetzen. Eine Figur, die durch eine computergesteuerte Fräse hergestellt worden ist, ist sicherlich perfekt, sie wirkt jedoch kalt und gefühllos. Durch handwerkliche Bearbeitung wird diesem Stein eine Art von „Seele” eingehaucht. Dadurch wird dieses Werkstück zu einem Unikat.

Ich wünsche mir, dass der historische Handwerkermarkt nicht nur in seiner vergangenen Exotik und seiner Buntheit bezaubert und Freunde findet, sondern dass auch ein Stück weit die Ehrfurcht vor dem alten Handwerkswissen transportiert und vermittelt wird. In diesem Sinne freue ich mich auf den historischen Handwerkermarkt und auf Ihren Besuch,

Ihr Valentin Schober
Steinmetzmeister

Quelle: www.marktblatt.de